Buchtipp - William J. Worden: “Beratung und Therapie in Trauerfällen”

Neuauflage!
William J. Worden
Beratung und Therapie in Trauerfällen
Ein Handbuch

Der Klassiker ist in einer neuen Auflage erschienen:
William J. Wordens „Beratung und Therapie in Trauerfällen“ ist nun einer vierten, überarbeiteten und erweiterten Auflage erschienen. Seit dem ersten Erscheinen sind 25 Jahre vergangen - die Trauerforschung hat sich in Teilen fortentwickelt und es gab viele Diskussionen darüber, was eine gute Trauerbegleitung eigentlich sei. Daher wurde eine erneute Auflage erforderlich.

Das Werk richtet sich an Therapeutinnen und Therapeuten, die sich auf diesem Spezialgebiet Kenntnisse erwerben wollen ebenso an Seelsorger, Bestatter und haupt- oder ehrenamtliche Trauerbegleiter.
Die Neuauflage enthält erweiterten Inhalt u.a. zu:
„Mediatoren im Trauerprozess“ - über persönliche und soziale Variablen, die den individuellen Trauerprozess prägen, detaillierte Richtlinien und Modelle für den Umgang mit besonderen Arten von Trauerfällen, darunter Suizid, plötzliche Todesfälle, Fehlgeburten, eine neue Version des „Aufgabenmodells“, mit dem Trauernden geholfen werden kann, ihre Traueraufgaben zu bewältigen und neue Richtlinien, die Therapeutinnen und Therapeuten helfen, ihre eigenen Trauererfahrungen zu verstehen und durchzuarbeiten.

Verlag Hans Huber

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Worden gibt Trauernden vier Aufgaben, die diese im Trauerprozess zu lösen haben. Interessant dabei ist, dass sich auch bei Worden bei der letzte Aufgabe (IV) ein Änderung vollzogen hat: Noch in der ersten Auflage (1986) hatte Worden diese vierte Aufgabe als „emotionalen Rückzug von der verstorbenen Person“ beschrieben. Diese Auffassung geht zurück auf Freud, der diese „Ablösung“ als wichtigste Aufgabe sah. Nun wissen wir heute, dass dem nicht so ist: Die Hinterbliebenen wollen sich nicht ablösen, sondern suchen nach Möglichkeiten, eine neue, andere Beziehung aufzubauen. Nicht erst seit den Büchern von Roland Kachler („Meine Trauer wird dich finden“, „Damit aus meiner Trauer Liebe wird“, „Meine Trauer geht - und du bleibst“) wird diesem Aspekt der Trauerarbeit mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Aus dem Terminus „Neuverortung der verstorbenen Person“ macht Worden nun für die vierte Aufgabe die Formulierung: „Eine dauerhafte Verbindung zu der verstorbenen Person inmitten des Aufbruchs in ein neues Leben finden“. Zwar etwas umständlich formuliert (deutsche Ausgabe), aber treffend.
Wordens Verdienst ist es auch, immer wieder auf die Ziele (und den Zweck) der Trauerberatung hinzuweisen. Denn viele Publikationen gehen generell davon aus, dass „Beratung“ immer gut und sinnvoll ist und dass sie immer nur von Professionellen geleistet werden kann. Dem ist nicht so.
Insbesondere Eva Illouz, Professorin für Soziologie, hat die „durchpsychologisierte Gesellschaft“ analysiert und den therapeutischen Diskurs kritisiert: Therapeuten, Selbsthilfegruppen und TV-Serien schießen wie Pilze aus dem Boden und suggerieren: Alles ist regelbar – alles wird (letzten Endes) gut.
Und daran hat die Psychoanalyse Freuds ein gehöriges Maß an Mitverantwortung.
Daher ist es gut und an der Zeit, sich von psychologischen Denkmustern zu befreien – und damit auch von einer Industrie, die hervorragend davon lebt.

Hilfreich ist ebenfalls, dass Worden auch die angrenzenden Dienstleister wie Bestatter mit einbezieht: Die meisten Autoren machen um solche Berufsgruppen einen großen Bogen, obgleich hier viele Betroffene Ansprechpartner suchen, die über die reine Bestattungsdienstleistung hinaus helfen.
Auch für diese Arbeitsfelder ist es wichtig zu wissen, wie die Ausbildung zur Trauerberatung erfolgt. Die einzelnen Fallbeschreibungen („Vignetten“) helfen dabei. Das dabei auch die eigene Trauer ("Die Trauer der Beratenden") ein bedeutende Rolle spielt, wird bei Worden berücksichtigt.

Im Anhang werden „Hilfreichen Adresse“ angegeben, um Kontakt aufzunehmen und Unterstützung zu bekommen. Dabei sollte das Prinzip durchgehalten werden, nur – sofern vorhanden – übergeordnete Strukturen (z.B. Bundeverbände) anzugeben. Ansonsten können die Angaben zu Verwirrungen führen: Beispielsweise werden die „Verwaisten Eltern und Geschwister Hamburg e.V.“ angegeben, nicht aber der Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V. (VEID).

Leider vermisst der Rezensent das angekündigte Nachwort von Manfred Perrez. Jedenfalls war es in der vorliegenden Ausgabe nicht enthalten.

William J. Worden
Beratung und Therapie in Trauerfällen
Ein Handbuch
Mit einem Nachwort von Meinrad Perrez. Aus dem Englischen von Irmela Erckenbrecht. 4., überarb. u. erw. Aufl. 2011 mit zusätzlichen Kapiteln. 291 S., Kt
ISBN: 978-3-456-84885-3
EURO 24.95 / CHF 37.40

 

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