Buchtipp - Karlheinz Muscheler: Das Recht des Todes

Karlheinz Muscheler
Das Recht des Todes. Grundlegung einer juristischen Thanatologie
Mit "Das Recht des Todes" unternimmt Karlheinz Muscheler den ambitionierten Versuch einer grundlegenden juristischen „Thanatologie“. Ausgehend von Geburt und Tod führt er zentrale Bereiche des Straf-, Zivil-, Verwaltungs- und Verfassungsrechts zusammen und bringt sie in einen interdisziplinären Dialog mit philosophischen und gesellschaftlichen Perspektiven.
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach dem „Recht gegen den Tod“ (Tötungsdelikte), dem „Recht auf den Tod“ (Sterbehilfe, Suizid und Beihilfe zum Suizid), der rechtlichen Bestimmung von Tod und Todeszeitpunkt (etwa in der Hirntoddebatte) sowie der Umgang mit dem Leichnam. Behandelt werden darüber hinaus das postmortale Persönlichkeitsrecht, Aspekte des Bestattungs-, Transplantations- und Obduktionsrechts sowie erbrechtliche, steuerliche und urheberrechtliche Fragen im Kontext der von Muscheler so bezeichneten „Enteignung der Toten“.
Das umfangreiche Werk (617 Seiten) zeichnet sich durch große Systematik, analytische Tiefe und den Mut aus, existenzielle und gesellschaftlich tabubehaftete Themen konsequent zu durchdringen. Muscheler begnügt sich nicht mit der Darstellung des Status quo, sondern übt eine umfassende Kritik an geltenden Regelungen und unterbreitet zahlreiche Reformvorschläge. Dabei hinterfragt er auch scheinbar selbstverständliche Leitbegriffe wie Würde, Pietät oder Autonomie.
In der Fachwelt wird das Buch vielfach gelobt; Rezensenten heben insbesondere seine außergewöhnliche Durchdachtheit und Tiefe hervor und empfehlen es ausdrücklich, etwa Jurist:innen mit Interesse an einem interdisziplinären Blick über das klassische Erbrecht hinaus.
Das Recht des Todes ist ein anspruchsvolles, forderndes und zugleich solides Werk. Es eröffnet neue Perspektiven auf den rechtlichen Umgang mit Sterben und Tod und leistet einen wichtigen Beitrag zu einer notwendigen gesellschaftlichen Debatte. Für juristisch oder philosophisch interessierte Leser:innen sehr empfehlenswert – für ein breites Publikum aufgrund seiner Komplexität und Schwere hingegen nur eingeschränkt geeignet.
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Karlheinz Muscheler
Das Recht des Todes. Grundlegung einer juristischen Thanatologie
Verlag Duncker & Humblot
ISBN 978-3-428-19333-2
(Geb.) 89,90 €
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Inhaltsübersicht
A. Einleitung
Der zeitgenössische Tod – Philosophie des Todes
B. Das Recht gegen den Tod
Das Tötungsverbot – Das Tötungsverbot im Strafrecht – Das Tötungsverbot im Zivilrecht
C. Das Recht auf den Tod
Die Selbsttötung – Die medizinische Suizidassistenz – Direkte aktive Sterbehilfe / Tötung auf Verlangen
D. Das Recht des Todes: Bestimmung von Tod und Todeszeitpunkt
Das Recht und die Frage nach Tod und Todeszeitpunkt – Entwicklung des Hirntod-Kriteriums – Phänomenologie des Hirntodkriteriums – Kritik des Hirntodkonzepts – Die Bedeutung der Frage nach dem Tod
E. Das Recht und der Leichnam
Definitionen – Leichenschau – Pflichten in Bezug auf Leichen
F. Das postmortale Persönlichkeitsrecht
Allgemeines – Eine kurze Rechtsvergleichung – Kant und die Metaphysik der Sitten – Strafrechtlicher Schutz des postmortalen Persönlichkeitsrechts – Unvererblichkeit des Geldentschädigungsanspruchs aus lebzeitiger Persönlichkeitsrechtsverletzung – Unvererblichkeit des zu Lebzeiten bereits entstandenen Gegendarstellungsanspruchs – Das postmortale Persönlichkeitsrecht im Zivilrecht – Warum kann während des Totseins kein Vermögensschaden des Toten entstehen?
G. Die Enteignung der Toten
Das Urheberrecht – Die 30-Jahres-Frist des deutschen Erbrechts – Enteignung durch Erbschaftsteuer
19. Jun. 2025












