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Archiv: Januar 2006
Dass die Kirchen nicht gerade "amused" sind über das Treiben des Gunther von Hagens, ist ja kein Geheimnis. Allerdings sei ein großer Teil der Einwohner weiterhin gegen die Plastinationsfabrik - in diesem Sinne äußerte sich der evangelische Pfarrer Michael Domke gegenüber dem epd.
Ob man jedoch die kürzlich statt gefundene Informationsveranstaltung des Plastinators in Guben gleich mit dem "Stil von Massenveranstaltungen der NS-Zeit" vergleichen sollte, sei einmal dahingestellt. Solche Vergleiche hinken notwendigerweise immer.
Aber aufpassen müssen die Gubener schon, wollen sie sich nicht das Fell (pardon: die Haut) über die Ohren ziehen lassen.
Zwei "Ekelrekord-Künstler" (habe ich auch noch nicht gehört...) wollen heiraten. So schön so gut. Aber die beiden wollen ihre Hochzeitsnacht in einem kuschligen Sarg verbringen!
Bloß was soll daran nun "eklig" sein? Viele Sargmodelle sind oft bequemer als so manche (Hochzeits-)Betten...;-)
taz
Friedhof:Design
Gestaltung zwischen Ewigkeit und Vergänglichkeit
11.November 2005 - 1. April 2006
Aus der Pressemitteilung:
"Das Bestatten ist eines der ältesten Rituale der Kulturgeschichte. Der «Gottesacker» ist ein Ort, an dem sich Vergängliches manifestiert. Gleichzeitig entsteht er aus dem Bedürfnis, das Unfassbare zu materialisieren. Friedhöfe gehören zu den ältesten bewusst gestalteten Orten und sind – nicht nur – für das Auge der Lebenden gemacht. Ihre Aufmerksamkeit richtet die Ausstellung sowohl auf revolutionäre Gestaltungskonzepte für Friedhöfe als auch auf künstlerische Werke aus den Bereichen Design, Fotografie und Skulptur. Vorschläge zur Neugestaltung von Urnen, Särgen und anderen Friedhofsobjekten und das Aufzeigen von Entwicklungen wie der Virtuelle-Friedhof weisen auf einen veränderten Umgang mit dem Friedhof als Lebensraum hin und werfen neue Fragen auf."
Die Ausstellung ist jedem wärmstens zu empfehlen, der sich mir den Themen "Friedhof" und "Bestattung" beschäftigt. Auch das Rahmenprogramm ist beeidruckend. Die Zürcher haben mal wieder was locker in Sachen "Ausstellung" zum Thema "Tod"!
Museum Bellerive
Bilder mit freundlicher Genehmigung des Museums Bellerive/Pressebüro:



Der amerikanische Erfinder Robert Burrows hat einen so genannten Video-Grabstein zum Patent angemeldet. Es handelt sich aber nur auf den ersten Blick um einen ganz normalen Grabstein: Vorne ist ein wasserdichter Flach-Bildschirm angebracht. Der Grabstein wird außerdem innen ausgehöhlt, damit ein Abspielgerät reinpasst - das kann ein Videorekorder sein, ein DVD-Player oder auch eine Festplatte mit einer Video-Datei. Für Burrows wären Friedhöfe dann so etwas wie die Internet-Cafes der Zukunft: "Ich stelle mir das so vor, dass die Leute auf diesem Grabstein ihre Lebensgeschichte hinterlassen - in Form eines Videofilms. Auf einem normalen Grabstein heutiger Bauart gibt es ja gerade mal Platz für ein paar kurze Zeilen, dieser Stein nimmt dagegen soviel Information auf, wie auf eine Festplatte passt. Da können die Leute dann ihren eigenen Nachruf produzieren, und sich eine Botschaft überlegen, die sie der Nachwelt hinterlassen würden." (DeutschlandRadio Berlin)
Wie würden sich Friedhöfe dadurch verändern? Würden sie lebhaftere Orte bzw. wieder Orte der Kommunikation werden? Würden sich die Friedhofsbesucher tatsächlich für die Lebensgeschichten fremder Verstorbener interessieren? Fragen über Fragen zu einer Veränderung, die durchaus geeignet wäre, das "Trauer-Image" der Friedhöfe abzulegen und die Friedhofskultur zu beleben...
(Bildquelle: max, Nr. 1, Januar 2006, S. 174)
"Broli" hieß der Hase und verstarb in Hamburg im Alter von 10 Jahren an Altersschwäche. Er wurde in einem gepachteten Mausoleum beigesetzt - allerdings auf einem Humanfriedhof!
Das dürfte die Friedhofsverwaltung natürlich nicht dulden und machte kurzen Prozess: Der Hase musste weg. Jetzt soll (bzw. muss) er auf einem Tierfriedhof beigesetzt werden.
Frage: Was ist eigentlich das Problem, wenn Mensch und Haustier in einem Grab beerdigt werden? Hygienische Bedenken kann es wohl kaum geben, zumal das Zusammenleben Lebzeiten unbedenklich war!
Wenn da nur das Bestattungsgesetz bzw. die Friedhofsordnung nicht wären...
Bild.T-Online.de
Na, darauf haben wir ja schon gewartet: Ein niederländischer Unternehmer hat einen neuen "Kick" entdeckt: Für 75 Euro können sich Menschen ohne Platzangst in einem Sarg in fast zwei Metern Tiefe eingraben lassen, bedeckt von einem 3,5 Tonnen schweren Betonblock.
Das erinnert mich doch stark an den Thriller "Stirb ewig" (Peter James)!
Krone.at
Plastinationsanlage als Strukturmaßnahme? "Dr. von Hagens' Anatomie-Unterricht" am 18. Januar in SWR2 Dschungel:
"Cezary Galeks Reportage 'Dr. von Hagens' Anatomie-Unterricht' ist
eines der 41 besten europäischen Features, die im Oktober des letzten
Jahres beim Prix-Europa-Wettbewerb in Berlin vorgestellt wurden. Sie
ist ein Beispiel für die lebendige und packende Radioarbeit, die in
Polen gemacht wird."
Presseportal
Der Fachmann staunt und der Laie wundert sich: Immer häufiger liest man von
Fahrten ("Schnuppertouren") zu Krematorien - meist im Ausland.
So organisierte kürzlich ein Hoyerswerdaer Bestatter eine Info-Tour mit einem Kleinbus zum Cottbuser Krematorium. Fehlen darf dabei auch nicht die Firma "Sarg-Discount" von Herrn Woite in Berlin. Mit den "Schnuppertouren" zu einem tschechischen Krematorium hat sich Woite bereits bundesweit einen Namen gemacht. Was die Leute allerdings treibt, derlei Angebote in Anspruch zu nehmen, bleibt rätsehaft: Ist es nur der Schnäppchenpreis? Der Geiz, auch nur einen Cent mehr ausgeben zu wollen (denn die Kundschaft besteht nicht ausschließlich aus unvermögenden Menschen)? Das völlige Desinteresse an eine Form der Erinnerung auf einem Friedhof (es gibt auch günstige Alternativen zu "anonym")?
Ein weites Feld, nicht nur für die Forschung...
Berliner Morgenpost
In der Sendung "Himmel und Erde" (rbb) vom 14.01.2006 wurde über Menschen mit besonderer Vorliebe für ein Leben unter freiem Himmel berichtet: Mitten in Neukölln und im Grünen – auf einstigem Friedhofsgelände. Das Neuköllner Wagendorf ist mittlerweile zehn Jahre alt und nicht nur die Rollheimer, sondern auch die Friedhofsverwaltung sind überzeugt von dieser Symbiose.
Das "Rollheimer-Dorf" stand früher auf dem Potsdamer Platz und die Rollheimer fanden "Kirchenasyl" auf dem Friedhofsgelände der St. Jakobi Gemeinde.
Besonders interessant war ein Satz am Sschluss des Beitrags: "Dabei wäre es für all die ungenutzten Friedhofsflächen, die nicht bebaut werden dürfen, doch eine schöne Verwendung in Zeiten allgemeiner Sparsamkeit."
Dem kann eigentlich nur zugestimmt werden, wenn man sich die Berliner Friedhofssituation ansieht...
rbbonline
Nun wissen wir es alle: Das Top-Modell Naomi Campbell hat keine Angst mehr vor dem Tod.
Und wieso: Laut Blick Online hat Naomi Campbell dem Tod "buchstäblich ins Gesicht geschaut hat. Das Ganze geschah bei einer denkwürdigen Make-up-Sitzung."
Ah ja, sagt sich der interessierte Leser und erfährt weiter, dass sie beim Tod einer Bekannten deren kosmetische Behandlung übernommen hat, weil sie mit der Arbeit des Bestatters nicht zufrieden war. «Ich habe die Schminke weggewischt und das ganze Make-up und ihre Haare neu gemacht. Ich habe noch nie so viel Zeit mit einem Körper verbracht.»
Vor dem Tod hat sie angeblich keine Angst mehr - aber vor dem Sterben?
Rainer Hildebrandt verstarb vor zwei Jahren - aber der Gründer des Mauermuseums am Checkpoint Charlie ist noch immer nicht bestattet worden!
Von seiner Witwe, der jetzigen Museumschefin Alexandra Hildebrandt, ist man ja einiges gewohnt, aber ihre Aussage "Sie (die Urne, d. Verf.) ist immer noch im Krematorium Ruhleben" wirkt doch etwas makaber.
Grund sei, so der Berliner Kurier, dass ihr verstorbener Ehemann auf einem Friedhof beerdigt werden soll, der seit vielen Jahren geschlossen ist!
Man wird gespannt sein dürfen, wer die Auseinandersetzung gewinnt...
In Berlin stehen insgesamt 35 Betten in vier Kliniken für Schmerzpatienten bereit - für die es Wartelisten gibt. Aus einer Übersicht der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin geht hervor, dass mindestens doppelt so viele Plätze nötig wären. Das entspricht in etwa auch den Plänen der Senatsverwaltung, die in den kommenden Jahren die Palliativ-Bettenzahl auf 60 erhöhen will.
Einen "relativ guten Stand" im bundesweiten Vergleich hat Berlin aber mit seinen sieben Hospizen. Doch auch Hospize haben mittlerweile Wartelisten. Jetzt soll mit einem "runden Tisch" der tatsächlichen Bedarf an Hospiz- und Palliativversorgung geklärt werden - und: Es sollte auch um eine deutliche Verbesserung der ambulanten Sterbebegleitung gehen, damit wieder mehr Menschen in den eigenen vier Wänden sterben können.
Man wird abwarten müssen, was bei den Beratungen der Gesundheitsverwaltung herauskommt - und der SargSplitter wird berichten...
taz Berlin
Die Echtheit des Schädels von Wolfgang Amadeus Mozart ist auch nach der DNA-Untersuchung einer Expertengruppe vom gerichtsmedizinischen Institut der Universität Innsbruck ungeklärt.
Diese war beauftragt worden, um im Jubiläumsjahr nun endlich für Klarheit zu sorgen.
Aber die Konfusion geht weiter: Es wurde festgestellt, dass die beiden Personen aus dem Familiengrab Mozarts untereinander nicht verwandt sind!
Tja, das Genie beschäftigt die Öffentlichkeit und die Fachwelt immer noch - und das nicht nur mit seiner Musik!
NZZ Online
Die Meldung bietet zwar nichts Neues, ist aber dennoch erfrischend:
Im Vorlauf der WM 2006 in Deutschland rüstet sich auch die Zulieferindustrie - z.B. mit einem Urnenmodell in Form eines Fußballs. Die Firma Heiso-Metallwaren glaubt, damit eine Marktlücke entdeckt zu haben. Allerdings gab es bereits schon früher Fußballurnen, die jedoch (noch) keinen reißenden Absatz fanden. Leider gibt es vom Unternehmen keine Angabe zum Preis.
Darüber hinaus gibt es seit längerem sehr schöne runde Urnen (z.B. Urnen Unikat "Firmament" der Firma Völsing) - die Form ist also in der Branche nicht unbekannt.
Ob sich im WM-Fieber die an Herzschlag etc. versterbenden Fans in der Fußballurne bestatten lassen werden, bleibt abzuwarten.
HANDELSBLATT
Das Medienmagazin DWDL berichtet, dass der Auftakt der vierten "Six Feet Under"-Staffel nicht wunschgemäß verlief: 0,41 Millionen 14- bis 49-Jährige sahen zu, was lediglich für 5,5 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe reichte - weniger als Vox derzeit im Schnitt erreicht: "Der angestrebte gute Audience Flow ließ beim Start jedoch noch deutlich zu wünschen übrig".
Dagegen legten "Die Kuckelkorns - Ein Leben für den Tod" auf dem Sendeplatz vor "Six Feet Under" um 22:15 Uhr mit 1,37 Millionen Zuschauern ab drei Jahren und 5,5 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum einen gelungenen Start hin.
Dass dem Zuschauer so viel geballte Bestatter-Thermatik an einem Abend doch nicht zugemutet werden kann, lag dabei aber irgendwie auf der Hand. Wenn man dann noch die nervenden Werbeunterbrechungen berücksichtigt, die die Sendezeit künstlich nach hinten verlängern, braucht man sich nicht zu wundern. Aber dennoch ein Lob: "Die Kuckelkorns - Ein Leben für den Tod" sind - im Verhältnis zu anderen Sendungen gleichen Inhalts - recht gut gelungen. Empfehlung: Weitergucken!
Und "Six Feet Under" natürlich sowieso!!!