Buchtipp - Karl-Heinz Barthelmeus: Gräber, Gründer und Gelehrte. Der Alte St. Matthäus-Kirchhof

Es verhält sich mit dem Alten St. Matthäus-Kirchhof genauso wie mit vielen anderen bedeutenden Friedhöfen: Sie werden zwar in diversen Sammelwerken abgehandelt – eigenständige, lesbare Publikationen fehlen aber meist.
Nun endlich gibt es ein Werk, das die Bezeichnung „eigenständig“ verdient: „Gräber, Gründer und Gelehrte – Der Alte St. Matthäus-Kirchhof“ (im Titel scheinbar angelehnt an den Klassiker „Götter, Gräber und Gelehrte. Roman der Archäologie“ von C. W. Ceram).

Der Autor – Schauspieler und Friedhofskenner Karl-Heinz Barthelmeus -  hat nun passend zum 150-jährigen Kirchhofjubiläum 2006 ein Buch über den Friedhof vorgelegt: "Gräber, Gründer und Gelehrte" - ein spannender historischer Spaziergang über den Gottesacker.
Der Friedhof wurde am 25. März 1856 eingeweiht und gehört zu der im südlichen Tiergarten-Viertel gelegenen St. Matthäus-Gemeinde (im heute so genannten Kulturviertel, ehemals „Geheimratsviertel"). Auf dem Friedhof an der Großgörschenstraße befinden sich heute über 50 Gräber prominenter Persönlichkeiten, die als Ehrengrabstätten anerkannt sind und für deren Pflege und Erhalt das Land Berlin sorgt.

Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel: Aus der Vorgeschichte, Ein eigener Kirchhof für St. Matthäi, Von Rang und Namen, Kunsthistorischer Spaziergang und Streiflichter aus den letzten 70 Jahren. Ergänzt wird der Inhalt durch eine Zeittafel und einen Lageplan.
Auch die zahlreichen Bilder fügen sich gut in den Text ein und ergänzen diesen.
Der Band ist weder ein Friedhofsführer in klassischem Sinne noch ein Sachbuch. Barthelmeus möchte den Leser - so der Autor im Vorwort – „vertiefter mit einzelnen Persönlichkeiten, die auf diesem Kirchhof ihre letzte Ruhestatt gefunden haben, vertraut machen.“ Berühmte Namen wie Virchow, Grimm, von Hansemann oder Bolle versammeln sich hier und werden zu einem „Zeitgemälde“ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts montiert. Die Authentizität wird zudem gefördert von den Quellen, die den Leser mit in die Vergangenheit nehmen. So beispielsweise mit dem Bericht zu den Trauerfeierlichkeiten Rudolf Virchows in der Vossischen Zeitung vom 10. September 1902.
Gelungen ist der Einstieg mit dem Kapitel „Aus der Vorgeschichte“, mit dem der Leser die Entstehung des Friedhofs historisch gut einordnen kann. Für den kunsthistorisch Interessierten bietet sich der „Kunsthistorische Spaziergang“ an.
Auch wenn sich der Autor angesichts des Verfalls um die Zukunft des Friedhofs sorgt, registriert er doch mit Freude, "dass sich offenbar in der Begräbniskultur wieder etwas tut".
So hat etwa der Dramatiker Rolf Hochhuth, der für sich und seine Familie die Grabreihe direkt unterhalb der Brüder Grimm reserviert hat, eine lebensgroße Bronzeplastik aufstellen lassen. Zwei Nymphen halten eine Pflanzschale auf der geschrieben steht: "Das ewig Weibliche zieht uns hinan."

Alles in allem ein lesenswertes Buch und jedem empfohlen, der ein wenig mehr erfahren möchte über die kulturhistorischen Zusammenhänge des Alten St. Matthäus-Kirchhofs und dem die Geschichten hinter der (offenkundigen) Geschichte interessieren. Das schnelle „Abhaken“ berühmter Gräber ist nicht beabsichtigt.
Auch für den fachlichen Kenner hat es die eine oder andere Neuigkeit zu bieten.


Karl-Heinz Barthelmeus:
Gräber, Gründer und Gelehrte - Der Alte St. Matthäus-Kirchhof. Ein Archiv der Stadtgeschichte.
Christian Simon Verlag, 2006. 152 Seiten, 16,80 €

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