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Buchtipp - Elisabeth Wappelshammer: "Dementia Care Mapping im interdisziplinären Diskurs"

Elisabeth Wappelshammer
Dementia Care Mapping im interdisziplinären Diskurs
Springer-Verlag, 2018

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Was ist Dementia Care Mapping?

Dementia Care Mapping (DCM - deutsch etwa: Demenz-Pflege-Dokumentation) ist ein Beobachtungsverfahren, das speziell für Menschen mit Demenz entwickelt wurde, bei denen Zufriedenheitsbefragungen nicht oder kaum möglich sind.
Mit Hilfe des DCMs ist es möglich, die Perspektive und das Wohlbefinden dieser Patienten einzuschätzen. So kann zum Beispiel mit dem DCM gemessen werden, inwiefern sich bestimmte Maßnahmen (u.a. Arbeit mit Tieren, Musik, Malen) auswirken, ob sie ihnen gut tun oder eher das Gegenteil bewirken. Auch kann das DCM auch dann eingesetzt werden, wenn Pflegekräfte das Gefühl haben, dass ein bestimmter Patient mehr und mehr abbaut, sich zurückzieht oder unter starken Aggressionen leidet. Die Ergebnisse der Beobachtungen können dabei helfen, die Gründe für das veränderte Verhalten herauszufinden.
Zufriedenheitsbefragungen bei Menschen mit Demenz sind oft nicht (mehr) möglich. Daher müssen verbale wie nonverbale Signale vor dem Hintergrund der persönlichen Biografie gedeutet werden, um den Menschen ein zufriedenes Leben zu ermöglichen. Mit Hilfe des DCM soll das relative Wohlbefinden in einer Einrichtung gemessen werden und somit der Qualitätsmessung dienen. Der gesamte Pflegeprozess soll beobachtet werden und somit Wege zur Verbesserung der Lebensqualität der Menschen mit Demenz aufzeigen.



Dementia Care Mapping selbst ist ein typischer Ausdruck der Modernisierungsphänomene: Es misst die Qualität von Leistungen, die Phänomene der Entbettung in der Altenpflege abmildern sollen (S. 25)

Dementia Care Mapping wurde in England an der Universität Bradford von Tom Kitwood und Mitarbeitern entwickelt. Die Grundlage des DCM ist die Werteorientierung der "personenzentrierten Pflege" ("Positiven Personenarbeit") nach Tom Kitwood. Nach Deutschland kam DCM durch Christian Müller-Hergl, Theologe, Altenpfleger und Dozent am Meinwerk-Institut.
Aber auch kritische Aspekte am DCM werden diskutiert:
Offen bleibt zum Beispiel die Frage, ob das, was von einem Beurteiler als Wohlbefinden angesehen wird, auch tatsächlich Wohlbefinden ist. Und die Durchführung des DCM ist sehr zeitaufwendig. Mitarbeiter müssen im Umgang mit dem Manual geschult werden. Die Beobachtung der Bewohner erfolgt dann über mehrere Stunden am Stück.

Elisabeth Wappelshammer stellt ihre sozialpsychologisch begründete Form der Beobachtung des Wohlbefindens von Menschen mit Demenz in einen interdisziplinären Diskursrahmen. Gerade das Zusammenwirken verschiedener Disziplinen (Sozialpsychologie, Gerontologie/Geriatrie, Palliative Care und Ethik – „Die Würde alter Menschen“) wurde bislang kaum berücksichtigt.
Im Rahmen einer gesellschaftlichen Care-Ethik schlägt Wappelshammer eine Weiterentwicklung von Theorie und Praxis von Dementia Care Mapping vor - und damit auch eine Weiterentwicklung von Pflegekultur insgesamt.

Die Autorin:
Elisabeth Wappelshammer ist Historikerin und Philosophin im Themenfeld von Gerontologie und Palliative Care sowie Advanced User von DCM. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Studien und Evaluationen im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, Biografie- und Erinnerungsarbeit und Caring Communities.


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Elisabeth Wappelshammer
Dementia Care Mapping im interdisziplinären Diskurs
Springer-Verlag, 2018
ISBN 978-3-658-20406-8, 238 S.
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#| Stephan Hadraschek am 25.03.18 | 0 TB |      » » Tipps - Bücher

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