Archiv: Januar 2017

Di Jan 31, 2017

Buchtipp - Nils Dahl: "Kodokushi – Lokale Netzwerke gegen Japans einsame Tode"

Nils Dahl
Kodokushi – Lokale Netzwerke gegen Japans einsame Tode
transcript Verlag, 2016

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transcript-Verlag.de

Kodokushi (jap. 孤独死, dt. „einsames Sterben“ oder „einsamer Tod“) bezeichnet das Versterben von zumeist vereinsamten Personen, bei denen das Ableben längere Zeit unbemerkt bleibt [...]"
wikipedia.de

Das Buch von Nils Dahl trifft einen Nerv der Zeit: Die Vereinsamung, Isolierung alter Menschen insbesondere am Lebensende. Der in der Soziologie gebräuchliche Terminus "sozialer Tod" beschreibt diesen Sachverhalt zumindest ansatzweise. Ein weiterer deutscher Terminus - "einsame Tode/Tote" - variiert in der Forschung mitunter. So wird auch von "vereinsamten Toden/Toten" gesprochen. Interessant ist bei Dahl die Beschreibung auch als "unumsorgter Tod" (S. 128 ff.).

Das japanische Wort "Kodokushi" beschreibt Todesfälle von sozial isolierten Personen, die erst nach längerer Zeit aufgefunden werden. Dies widerspricht (nicht nur in Japan) der Vorstellung eines guten Todes. Darüber hinaus nimmt das Wort "Kodokushi" in der Diskussion über die Alterung der Gesellschaft in Japan eine zentrale Rolle ein: Es steht für die abnehmende Bedeutung traditioneller Sozialbeziehungen und als Ausdruck für eine allgemeinen Krisenstimmung.

Zum Beispiel ist "Kodokushi" in den Randbezirken im Westen und Osten Tokios Alltag. Dort beträgt der Anteil der über 65-Jährigen rund ein Drittel der Bevölkerung. 2012 starben nach Angaben der Stadtregierung ca. 2800 Menschen den einsamen Tod. In vielen kleinen Stadtbezirken Tokios und anderer Städte gibt es Ansätze von engagierten Ärzten und Sozialarbeitern und meist älteren Freiwilligen, soziale Strukturen zu schaffen, die die Vereinsamung verhindern sollen.
Der Autor stellt in seinem Buch sowohl innovative Gegenmaßen als auch mögliche Probleme der jeweiligen Ansätze vor.
Weiterführend können (und sollten) die Erfahrungen Japans mit den entsprechenden lokalen Maßnahmen und Angeboten von Hilfsorganisationen in Deutschland - als Ländervergleich - genutzt werden. Denn die Thematik der "einsamen Tode" wird sich auch in Deutschland potenzieren:
Die Entindividualisierung - anonym leben, anonym sterben, anonym bestatten wird besonders in hochindustrialisierten Staaten und deren Metropolen deutlich.

Inhalt:

1. Einführung

2. Begriffliche Hintergründe

3. Die moderne Konstruktion traditionell japanischer Gemeinschaftlichkeit

4. Vom Randphänomen zum Symptom einer kranken Gesellschaft: Semantischer Wandel des Wortes kodokushi

5. Was sind einsame Tode?

6. Maßnahmen gegen einsame Tode in der Tokiwadaira Danchi

7. Theoretische Reflexion



Zum Autor:
Nils Dahl, geb. 1986, studierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die Fächer Modernes Japan und Kommunikations- und Medienwissenschaften. Er promovierte am Graduiertenkolleg "Alter(n) als kulturelle Konzeption und Praxis".


Stephan Hadraschek am 31. Januar 2017, 01:01 | 0 Comment/s (573) | 0 Trackbacks | » Tipps - Bücher

So Jan 29, 2017

Auch in Hamburg nimmt die Feuerbestattung zu

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80 Prozent der Beisetzungen auf dem Friedhof Ohlsdorf sind inzwischen Urnenbestattungen

80 Prozent der jährlich rund 4700 Beisetzungen auf dem Friedhof Ohlsdorf sind Urnenbestattungen, wie Pressesprecher Lutz Rehkopf berichtet. Warum das so ist? Die Bestattung sei eben auch eine Kostenfrage. "Die Grabstättengebühr ist niedriger, das Pflanzbeet kleiner, der Stein kann einfacher ausgeführt oder weggelassen werden"[...]


abendblatt.de


Stephan Hadraschek am 29. Januar 2017, 16:01 | 0 Comment/s (750) | 0 Trackbacks | » Bestattung

So Jan 15, 2017

Cemitério dos Prazeres - "Friedhof der Freuden"

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Ein wundervoller, beeindruckender Friedhof in Lissabon.
Der Cemitério dos Prazeres wurde 1833 infolge einer Cholera-Epidemie als öffentlicher Friedhof eröffnet. "Cemitério dos Prazeres" heißt übersetzt "Friedhof der Freuden". Der Name geht wohl auf ein gleichnamiges Anwesen an dieser Stelle zurück, das in den Jahrzehnten vor dem Friedhofsbau als Ausflugspark diente.

Über Jahrzehnte hinweg haben sich dort Schriftsteller wie Antonio Tabucchi, Eça de Queiroz und José Cardoso Pires und Maler wie Bordalo Pinheiro, Gitarrenlegende Carlos Paredes, Fadosänger Alfredo Marceneiro oder auch Alfredo Keil, der 1890 die portugiesische Nationalhymne A Portuguesa komponierte, bestatten lassen.

revelarlx.cm-lisboa.pt

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Stephan Hadraschek am 15. Januar 2017, 20:01 | 0 Comment/s (854) | 0 Trackbacks | » Friedhof

So Jan 08, 2017

Guter Gedanke...

Ein guter Leitgedanke für 2017!

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Stephan Hadraschek am 08. Januar 2017, 20:01 | 0 Comment/s (760) | 0 Trackbacks |

Fr Jan 06, 2017

Buchtipp - Thorsten Benkel (Hg): "Die Zukunft des Todes. Heterotopien des Lebensendes"

Thorsten Benkel (Hg):
Die Zukunft des Todes. Heterotopien des Lebensends
transcript Verlag, 2016

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transcript-verlag.de

Die Beiträge des Bandes gehen aus interdisziplinärer Sicht auf Sterbe- und Todeskontexte wie Friedhof, Hospiz, das Lebensende im Internet, anonyme Bestattung, Heimtiertod sowie auf den Einfluss der Individualisierung ein. (Verlagstext)


Das Thema "Tod" hat - zumindest in der scientific community der Thanatologie - einen beachtlichen Stellenwert erreicht. Die Beschäftigung erreicht immer mehr Fachdisziplinen, zahlreiche Publikationen und Symposien zeugen davon.

Der vorliegende Sammelband ist ein weiteres, bemerkenswertes Beispiel dafür.
Der Band gliedert sich in vier Teile: Nach einem Vorwort des Herausgebers sowie einer Einleitung zu den gegenwärtigen Problembereichen der Thanatosoziologie folgen vier Aufsätze der Sektion "Sterbediskurse" sowie die beiden Sektionen "Tod im Wandel" und "Verräumlichungen" mit jeweils fünf Texten.
Der Sammelband möchte die gegenwärtigen Entwicklungen des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Tod (und Sterben) überblicksartig darstellen und zur Diskussion stellen. Dem wird insoweit entsprochen, dass durch die Lektüre des gesamten Bandes unterschiedliche soziale Prozesse offengelegt werden, die derzeit das Spannungsfeld zwischen Tod und Gesellschaft konstituieren.
Positiv und nicht selbstverständlich sind die vielen Beispiele sowie die leserfreundliche Sprache der meisten Texte. Das Buch bietet einen guten Einstieg in das Themenfeld "Tod" sowie eine grundlegende Auseinandersetzung mit thanato(sozio)logischen Überlegungen zum Raum im Allgemein und zur Heterotopie im Speziellen.

Eine grundsätzliche Kritik sei erlaubt: Hier spiegelt sich hauptsächlich die akademischer Sicht zum Thema wider. Doch die alltägliche Praxis auf Friedhöfen, bei Bestattungsunternehmen, in Krankenhäusern und etc. sieht oft anders aus als das wissenschaftlich eruierte "große Ganze" (z.B. "Erinnerungs- und Gedächtnislandschaften" auf Friedhöfen): Die Normaltät sieht gemeinhin trivialer aus.
Da es regional sehr große Unterschiede gibt, sind generelle Aussagen dazu schwierig. Aber man sollte es versuchen...



Zum Herausgeber:
Dr. Thorsten Benkel, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Passau, betreibt seit 2011 gemeinsam mit Matthias Meitzler (Universität Duisburg-Essen) ein Forschungsprojekt zur "Friedhofssoziologie".


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Stephan Hadraschek am 06. Januar 2017, 22:01 | 0 Comment/s (611) | 0 Trackbacks | » Tipps - Bücher

Mi Jan 04, 2017

Spätherbst-Winter-Vorfrühlingsstimmung...


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Stephan Hadraschek am 04. Januar 2017, 23:01 | 0 Comment/s (706) | 0 Trackbacks | » Kurioses